Funf Stunden habt Ihr jeden Tag;
Seid drinnen mit dem Glockenschlag!
Seid drinnen mit dem Glockenschlag!
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Zwei!
Drei!
dazu notig sei.
Zwar ist's mit der Gedankenfabrik
Wie mit einem Weber-Meisterstuck,
Wo ein Tritt tausend Faden regt,
Die Schifflein heruber hinuber schiessen,
Die Faden ungesehen fliessen,
Ein Schlag tausend Verbindungen schlagt.
Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es musst so sein:
Das Erst war so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so;
Und wenn das Erst und Zweit nicht war,
Das Dritt und Viert war nimmermehr.
Das preisen die Schuler allerorten,
Sind aber keine Weber geworden.
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
Encheiresin naturae nennt's die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiss nicht wie.
SCHULER:
Kann Euch nicht eben ganz verstehen.
MEPHISTOPHELES:
Das wird nachstens schon besser gehen,
Wenn Ihr lernt alles reduzieren
Und gehorig klassifizieren.
SCHULER:
Mir wird von alledem so dumm,
Als ging, mir ein Muhlrad im Kopf herum.
MEPHISTOPHELES:
Nachher, vor allen andern Sachen,
Musst Ihr Euch an die Metaphysik machen!
Da seht, dass Ihr tiefsinnig fasst,
Was in des Menschen Hirn nicht passt;
Fur was drein geht und nicht drein geht,
Ein prachtig Wort zu Diensten steht.
Doch vorerst dieses halbe Jahr
Nehmt ja der besten Ordnung wahr.
Funf Stunden habt Ihr jeden Tag;
Seid drinnen mit dem Glockenschlag!
Habt Euch vorher wohl prapariert,
Paragraphos wohl einstudiert,
Damit Ihr nachher besser seht,
Dass er nichts sagt, als was im Buche steht;
Doch Euch des Schreibens ja befleisst,
Als diktiert, Euch der Heilig Geist!
SCHULER:
Das sollt Ihr mir nicht zweimal sagen!
Ich denke mir, wie viel es nutzt
Denn, was man schwarz auf weiss besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.
MEPHISTOPHELES:
Doch wahlt mir eine Fakultat!
SCHULER:
Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen.
MEPHISTOPHELES:
Ich kann es Euch so sehr nicht ubel nehmen,
Ich weiss, wie es um diese Lehre steht.
Es erben sich Gesetz' und Rechte
Wie eine ew'ge Krankheit fort;
Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte,
Und rucken sacht von Ort zu Ort.
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;
Weh dir, dass du ein Enkel bist!
Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
Von dem ist, leider! nie die Frage.
SCHULER:
Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glucklich der, den Ihr belehrt!
Fast mocht ich nun Theologie studieren.
MEPHISTOPHELES:
Ich wunschte nicht, Euch irre zu fuhren.
Was diese Wissenschaft betrifft,
Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden,
Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift,
Und von der Arzenei ist's kaum zu unterscheiden.
Zwar ist's mit der Gedankenfabrik
Wie mit einem Weber-Meisterstuck,
Wo ein Tritt tausend Faden regt,
Die Schifflein heruber hinuber schiessen,
Die Faden ungesehen fliessen,
Ein Schlag tausend Verbindungen schlagt.
Der Philosoph, der tritt herein
Und beweist Euch, es musst so sein:
Das Erst war so, das Zweite so,
Und drum das Dritt und Vierte so;
Und wenn das Erst und Zweit nicht war,
Das Dritt und Viert war nimmermehr.
Das preisen die Schuler allerorten,
Sind aber keine Weber geworden.
Wer will was Lebendigs erkennen und beschreiben,
Sucht erst den Geist heraus zu treiben,
Dann hat er die Teile in seiner Hand,
Fehlt, leider! nur das geistige Band.
Encheiresin naturae nennt's die Chemie,
Spottet ihrer selbst und weiss nicht wie.
SCHULER:
Kann Euch nicht eben ganz verstehen.
MEPHISTOPHELES:
Das wird nachstens schon besser gehen,
Wenn Ihr lernt alles reduzieren
Und gehorig klassifizieren.
SCHULER:
Mir wird von alledem so dumm,
Als ging, mir ein Muhlrad im Kopf herum.
MEPHISTOPHELES:
Nachher, vor allen andern Sachen,
Musst Ihr Euch an die Metaphysik machen!
Da seht, dass Ihr tiefsinnig fasst,
Was in des Menschen Hirn nicht passt;
Fur was drein geht und nicht drein geht,
Ein prachtig Wort zu Diensten steht.
Doch vorerst dieses halbe Jahr
Nehmt ja der besten Ordnung wahr.
Funf Stunden habt Ihr jeden Tag;
Seid drinnen mit dem Glockenschlag!
Habt Euch vorher wohl prapariert,
Paragraphos wohl einstudiert,
Damit Ihr nachher besser seht,
Dass er nichts sagt, als was im Buche steht;
Doch Euch des Schreibens ja befleisst,
Als diktiert, Euch der Heilig Geist!
SCHULER:
Das sollt Ihr mir nicht zweimal sagen!
Ich denke mir, wie viel es nutzt
Denn, was man schwarz auf weiss besitzt,
Kann man getrost nach Hause tragen.
MEPHISTOPHELES:
Doch wahlt mir eine Fakultat!
SCHULER:
Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen.
MEPHISTOPHELES:
Ich kann es Euch so sehr nicht ubel nehmen,
Ich weiss, wie es um diese Lehre steht.
Es erben sich Gesetz' und Rechte
Wie eine ew'ge Krankheit fort;
Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte,
Und rucken sacht von Ort zu Ort.
Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage;
Weh dir, dass du ein Enkel bist!
Vom Rechte, das mit uns geboren ist,
Von dem ist, leider! nie die Frage.
SCHULER:
Mein Abscheu wird durch Euch vermehrt.
O glucklich der, den Ihr belehrt!
Fast mocht ich nun Theologie studieren.
MEPHISTOPHELES:
Ich wunschte nicht, Euch irre zu fuhren.
Was diese Wissenschaft betrifft,
Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden,
Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift,
Und von der Arzenei ist's kaum zu unterscheiden.