FAUST:
Furwahr, es sind die Augen einer Toten,
Die eine liebende Hand nicht schloss.
Furwahr, es sind die Augen einer Toten,
Die eine liebende Hand nicht schloss.
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
(Zu Faust, der aus dem Tanz getreten ist. )
Was lassest du das schone Madchen fahren,
Das dir zum Tanz so lieblich sang?
FAUST:
Ach! mitten im Gesange sprang
Ein rotes Mauschen ihr aus dem Munde.
MEPHISTOPHELES:
Das ist was Rechts! das nimmt man nicht genau;
Genug, die Maus war doch nicht grau.
Wer fragt darnach in einer Schaferstunde?
FAUST:
Dann sah ich-
MEPHISTOPHELES:
Was?
FAUST:
Mephisto, siehst du dort Ein blasses, schones Kind allein und ferne stehen?
Sie schiebt sich langsam nur vom Ort,
Sie scheint mit geschlossnen Fussen zu gehen.
Ich muss bekennen, dass mir deucht,
Dass sie dem guten Gretchen gleicht.
MEPHISTOPHELES:
Lass das nur stehn! dabei wird's niemand wohl.
Es ist ein Zauberbild, ist leblos, ein Idol.
Ihm zu begegnen, ist nicht gut:
Vom starren Blick erstarrt des Menschen Blut,
Und er wird fast in Stein verkehrt;
Von der Meduse hast du ja gehort.
FAUST:
Furwahr, es sind die Augen einer Toten,
Die eine liebende Hand nicht schloss.
Das ist die Brust, die Gretchen mir geboten,
Das ist der susse Leib, den ich genoss.
MEPHISTOPHELES:
Das ist die Zauberei, du leicht verfuhrter Tor!
Denn jedem kommt sie wie sein Liebchen vor.
FAUST:
Welch eine Wonne! welch ein Leiden!
Ich kann von diesem Blick nicht scheiden.
Wie sonderbar muss diesen schonen Hals
Ein einzig rotes Schnurchen schmucken,
Nicht breiter als ein Messerrucken!
MEPHISTOPHELES:
Ganz recht! ich seh es ebenfalls.
Sie kann das Haupt auch unterm Arme tragen,
Denn Perseus hat's ihr abgeschlagen.
Nur immer diese Lust zum Wahn!
Komm doch das Hugelchen heran,
Hier ist's so lustig wie im Prater
Und hat man mir's nicht angetan,
So seh ich wahrlich ein Theater.
Was gibt's denn da?
SERVIBILIS:
Gleich fangt man wieder an. Ein neues Stuck, das letzte Stuck von sieben.