MEPHISTOPHELES
(kommt):
Geschwind!
Geschwind!
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Hier lag das Kind! mit warmem Leben
Den zarten Busen angefullt,
Und hier mit heilig reinem Weben
Entwirkte sich das Gotterbild!
Und du! Was hat dich hergefuhrt?
Wie innig fuhl ich mich geruhrt!
Was willst du hier? Was wird das Herz dir schwer?
Armsel'ger Faust! ich kenne dich nicht mehr.
Umgibt mich hier ein Zauberduft?
Mich drang's, so grade zu geniessen,
Und fuhle mich in Liebestraum zerfliessen!
Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft?
Und trate sie den Augenblick herein,
Wie wurdest du fur deinen Frevel bussen!
Der grosse Hans, ach wie so klein!
Lag, hingeschmolzen, ihr zu Fussen.
MEPHISTOPHELES (kommt):
Geschwind! ich seh sie unten kommen.
FAUST:
Fort! Fort! Ich kehre nimmermehr!
MEPHISTOPHELES:
Hier ist ein Kastchen leidlich schwer,
Ich hab's wo anders hergenommen.
Stellt's hier nur immer in den Schrein,
Ich schwor Euch, ihr vergehn die Sinnen;
Ich tat Euch Sachelchen hinein,
Um eine andre zu gewinnen.
Zwar Kind ist Kind, und Spiel ist Spiel.
FAUST:
Ich weiss nicht, soll ich?
MEPHISTOPHELES:
Fragt Ihr viel? Meint Ihr vielleicht den Schatz zu wahren?
Dann rat ich Eurer Lusternheit,
Die liebe schone Tageszeit
Und mir die weitre Muh zu sparen.
Ich hoff nicht, dass Ihr geizig seid!
Ich kratz den Kopf, reib an den Handen-
(Er stellt das Kastchen in den Schrein und druckt das Schloss wieder zu. )
Nur fort! geschwind!