Du bist ein
herzlich
guter Mann,
Allein ich glaub, du haltst nicht viel davon.
Allein ich glaub, du haltst nicht viel davon.
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Gretchen (am Spinnrad, allein).
GRETCHEN:
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer;
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Wo ich ihn nicht hab,
Ist mir das Grab,
Die ganze Welt
Ist mir vergallt.
Mein armer Kopf
Ist mir verruckt,
Meiner armer Sinn
Ist mir zerstuckt.
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Nach ihm nur schau ich
Zum Fenster hinaus,
Nach ihm nur geh ich
Aus dem Haus.
Sein hoher Gang,
Sein edle Gestalt,
Seines Mundes Lacheln,
Seiner Augen Gewalt,
Und seiner Rede
Zauberfluss,
Sein Handedruck,
Und ach! sein Kuss!
Meine Ruh ist hin,
Mein Herz ist schwer,
Ich finde sie nimmer
und nimmermehr.
Mein Busen drangt
Sich nach ihm hin,
Ach durft ich fassen
Und halten ihn,
Und kussen ihn,
So wie ich wollt,
An seinen Kussen
Vergehen sollt!
Marthens Garten
Margarete. Faust.
MARGARETE:
Versprich mir, Heinrich!
FAUST:
Was ich kann!
MARGARETE:
Nun sag, wie hast du's mit der Religion?
Du bist ein herzlich guter Mann,
Allein ich glaub, du haltst nicht viel davon.
FAUST:
Lass das, mein Kind! Du fuhlst, ich bin dir gut;
Fur meine Lieben liess' ich Leib und Blut,
Will niemand sein Gefuhl und seine Kirche rauben.
MARGARETE:
Das ist nicht recht, man muss dran glauben.
FAUST:
Muss man?
MARGARETE:
Ach! wenn ich etwas auf dich konnte! Du ehrst auch nicht die heil'gen
Sakramente.
FAUST:
Ich ehre sie.
MARGARETE:
Doch ohne Verlangen. Zur Messe, zur Beichte bist du lange nicht gegangen.
Glaubst du an Gott?
FAUST:
Mein Liebchen, wer darf sagen: Ich glaub an Gott?
Magst Priester oder Weise fragen,
Und ihre Antwort scheint nur Spott
Uber den Frager zu sein.
MARGARETE:
So glaubst du nicht?
FAUST:
Misshor mich nicht, du holdes Angesicht!