Der vielen Bilder kunstlich reiche Pracht,
Des Trinkers Pflicht, sie reimweis zu erklaren,
Auf einen Zug die Hohlung auszuleeren,
Erinnert mich an manche Jugendnacht.
Des Trinkers Pflicht, sie reimweis zu erklaren,
Auf einen Zug die Hohlung auszuleeren,
Erinnert mich an manche Jugendnacht.
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Ich grusse dich, du einzige Phiole,
Die ich mit Andacht nun herunterhole!
In dir verehr ich Menschenwitz und Kunst.
Du Inbegriff der holden Schlummersafte,
Du Auszug aller todlich feinen Krafte,
Erweise deinem Meister deine Gunst!
Ich sehe dich, es wird der Schmerz gelindert,
Ich fasse dich, das Streben wird gemindert,
Des Geistes Flutstrom ebbet nach und nach.
Ins hohe Meer werd ich hinausgewiesen,
Die Spiegelflut erglanzt zu meinen Fussen,
Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag.
Ein Feuerwagen schwebt, auf leichten Schwingen,
An mich heran! Ich fuhle mich bereit,
Auf neuer Bahn den Ather zu durchdringen,
Zu neuen Spharen reiner Tatigkeit.
Dies hohe Leben, diese Gotterwonne!
Du, erst noch Wurm, und die verdienest du?
Ja, kehre nur der holden Erdensonne
Entschlossen deinen Rucken zu!
Vermesse dich, die Pforten aufzureissen,
Vor denen jeder gern voruberschleicht!
Hier ist es Zeit, durch Taten zu beweisen,
Das Manneswurde nicht der Gotterhohe weicht,
Vor jener dunkeln Hohle nicht zu beben,
In der sich Phantasie zu eigner Qual verdammt,
Nach jenem Durchgang hinzustreben,
Um dessen engen Mund die ganze Holle flammt;
Zu diesem Schritt sich heiter zu entschliessen,
Und war es mit Gefahr, ins Nichts dahin zu fliessen.
Nun komm herab, kristallne reine Schale!
Hervor aus deinem alten Futterale,
An die ich viele Jahre nicht gedacht!
Du glanzetst bei der Vater Freudenfeste,
Erheitertest die ernsten Gaste,
Wenn einer dich dem andern zugebracht.
Der vielen Bilder kunstlich reiche Pracht,
Des Trinkers Pflicht, sie reimweis zu erklaren,
Auf einen Zug die Hohlung auszuleeren,
Erinnert mich an manche Jugendnacht.
Ich werde jetzt dich keinem Nachbar reichen,
Ich werde meinen Witz an deiner Kunst nicht zeigen.
Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht;
Mit brauner Flut erfullt er deine Hohle.
Den ich bereit, den ich wahle,
"Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,
Als festlich hoher Gruss, dem Morgen zugebracht!
(Er setzt die Schale an den Mund. )
Glockenklang und Chorgesang.
CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden!
Freude dem Sterblichen,
Den die verderblichen,
Schleichenden, erblichen
Mangel unwanden.
FAUST:
Welch tiefes Summen, welch heller Ton
Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?
Verkundigt ihr dumpfen Glocken schon
Des Osterfestes erste Feierstunde?
Ihr Chore, singt ihr schon den trostlichen Gesang,
Der einst, um Grabes Nacht, von Engelslippen klang,
Gewissheit einem neuen Bunde?
CHOR DER WEIBER:
Mit Spezereien
Hatten wir ihn gepflegt,
Wir seine Treuen
Hatten ihn hingelegt;
Tucher und Binden
Reinlich unwanden wir,
Ach! und wir finden
Christ nicht mehr hier.
CHOR DER ENGEL:
Christ ist erstanden!
Selig der Liebende,
Der die betrubende,
Heilsam und ubende
Prufung bestanden.
FAUST:
Was sucht ihr, machtig und gelind,
Ihr Himmelstone, mich am Staube?