MEPHISTOPHELES:
Das war ein schoner Zeitvertreib!
Das war ein schoner Zeitvertreib!
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Verlang ich Rat von einem alten Weibe?
Und schafft die Sudelkocherei
Wohl dreissig Jahre mir vom Leibe?
Weh mir, wenn du nichts Bessers weisst!
Schon ist die Hoffnung mir verschwunden.
Hat die Natur und hat ein edler Geist
Nicht irgendeinen Balsam ausgefunden?
MEPHISTOPHELES:
Mein Freund, nun sprichst du wieder klug!
Dich zu verjungen, gibt's auch ein naturlich Mittel;
Allein es steht in einem andern Buch,
Und ist ein wunderlich Kapitel.
FAUST:
Ich will es wissen.
MEPHISTOPHELES:
Gut! Ein Mittel, ohne Geld Und Arzt und Zauberei zu haben:
Begib dich gleich hinaus aufs Feld,
Fang an zu hacken und zu graben
Erhalte dich und deinen Sinn
In einem ganz beschrankten Kreise,
Ernahre dich mit ungemischter Speise,
Leb mit dem Vieh als Vieh, und acht es nicht fur Raub,
Den Acker, den du erntest, selbst zu dungen;
Das ist das beste Mittel, glaub,
Auf achtzig Jahr dich zu verjungen!
FAUST:
Das bin ich nicht gewohnt, ich kann mich nicht bequemen,
Den Spaten in die Hand zu nehmen.
Das enge Leben steht mir gar nicht an.
MEPHISTOPHELES:
So muss denn doch die Hexe dran.
FAUST:
Warum denn just das alte Weib!
Kannst du den Trank nicht selber brauen?
MEPHISTOPHELES:
Das war ein schoner Zeitvertreib!
Ich wollt indes wohl tausend Brucken bauen.
Nicht Kunst und Wissenschaft allein,
Geduld will bei dem Werke sein.
Ein stiller Geist ist jahrelang geschaftig,
Die Zeit nur macht die feine Garung kraftig.
Und alles, was dazu gehort,
Es sind gar wunderbare Sachen!
Der Teufel hat sie's zwar gelehrt;
Allein der Teufel kann's nicht machen.
(Die Tiere erblickend. )
Sieh, welch ein zierliches Geschlecht!
Das ist die Magd! das ist der Knecht!
(Zu den Tieren. )
Es scheint, die Frau ist nicht zu Hause?
DIE TIERE:
Beim Schmause,
Aus dem Haus
Zum Schornstein hinaus!
MEPHISTOPHELES:
Wie lange pflegt sie wohl zu schwarmen?
DIE TIERE:
So lange wir uns die Pfoten warmen.
MEPHISTOPHELES.