LIESCHEN:
Kriegt sie ihn, soll's ihr ubel gehn,
Das Kranzel reissen die Buben ihr,
Und Hackerling streuen wir vor die Tur!
Kriegt sie ihn, soll's ihr ubel gehn,
Das Kranzel reissen die Buben ihr,
Und Hackerling streuen wir vor die Tur!
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Sie futtert zwei, wenn sie nun isst und trinkt.
GRETCHEN:
Ach!
LIESCHEN:
So ist's ihr endlich recht ergangen.
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
Das war ein Spazieren,
Auf Dorf und Tanzplatz Fuhren,
Musst uberall die Erste sein,
Kurtesiert ihr immer mit Pastetchen und Wein;
Bildt sich was auf ihre Schonheit ein,
War doch so ehrlos, sich nicht zu schamen,
Geschenke von ihm anzunehmen.
War ein Gekos und ein Geschleck;
Da ist denn auch das Blumchen weg!
GRETCHEN:
Das arme Ding!
LIESCHEN:
Bedauerst sie noch gar! Wenn unsereins am Spinnen war,
Uns nachts die Mutter nicht hinunterliess,
Stand sie bei ihrem Buhlen suss;
Auf der Turbank und im dunkeln Gang
Ward ihnen keine Stunde zu lang.
Da mag sie denn sich ducken nun,
Im Sunderhemdchen Kirchbuss tun!
GRETCHEN:
Er nimmt sie gewiss zu seiner Frau.
LIESCHEN:
Er war ein Narr! Ein flinker Jung
Hat anderwarts noch Luft genung.
Er ist auch fort.
GRETCHEN:
Das ist nicht schon!
LIESCHEN:
Kriegt sie ihn, soll's ihr ubel gehn,
Das Kranzel reissen die Buben ihr,
Und Hackerling streuen wir vor die Tur!
(Ab. )
GRETCHEN: (nach Hause gehend):
Wie konnt ich sonst so tapfer schmalen,
Wenn tat ein armes Magdlein fehlen!
Wie konnt ich uber andrer Sunden
Nicht Worte gnug der Zunge finden!
Wie schien mir's schwarz, und schwarzt's noch gar,
Mir's immer doch nicht schwarz gnug war,
Und segnet mich und tat so gross,
Und bin nun selbst der Sunde bloss!
Doch- alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach, war so lieb!
Zwinger
In der Mauerhohle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkruge davor.
Gretchen steckt frische Blumen in die Kruge.
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnadig meiner Not!
Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Not.
Wer fuhlet,
Wie wuhlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weisst nur du, nur du allein!
Wohin ich immer gehe
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!
GRETCHEN:
Ach!
LIESCHEN:
So ist's ihr endlich recht ergangen.
Wie lange hat sie an dem Kerl gehangen!
Das war ein Spazieren,
Auf Dorf und Tanzplatz Fuhren,
Musst uberall die Erste sein,
Kurtesiert ihr immer mit Pastetchen und Wein;
Bildt sich was auf ihre Schonheit ein,
War doch so ehrlos, sich nicht zu schamen,
Geschenke von ihm anzunehmen.
War ein Gekos und ein Geschleck;
Da ist denn auch das Blumchen weg!
GRETCHEN:
Das arme Ding!
LIESCHEN:
Bedauerst sie noch gar! Wenn unsereins am Spinnen war,
Uns nachts die Mutter nicht hinunterliess,
Stand sie bei ihrem Buhlen suss;
Auf der Turbank und im dunkeln Gang
Ward ihnen keine Stunde zu lang.
Da mag sie denn sich ducken nun,
Im Sunderhemdchen Kirchbuss tun!
GRETCHEN:
Er nimmt sie gewiss zu seiner Frau.
LIESCHEN:
Er war ein Narr! Ein flinker Jung
Hat anderwarts noch Luft genung.
Er ist auch fort.
GRETCHEN:
Das ist nicht schon!
LIESCHEN:
Kriegt sie ihn, soll's ihr ubel gehn,
Das Kranzel reissen die Buben ihr,
Und Hackerling streuen wir vor die Tur!
(Ab. )
GRETCHEN: (nach Hause gehend):
Wie konnt ich sonst so tapfer schmalen,
Wenn tat ein armes Magdlein fehlen!
Wie konnt ich uber andrer Sunden
Nicht Worte gnug der Zunge finden!
Wie schien mir's schwarz, und schwarzt's noch gar,
Mir's immer doch nicht schwarz gnug war,
Und segnet mich und tat so gross,
Und bin nun selbst der Sunde bloss!
Doch- alles, was dazu mich trieb,
Gott! war so gut! ach, war so lieb!
Zwinger
In der Mauerhohle ein Andachtsbild der Mater dolorosa, Blumenkruge davor.
Gretchen steckt frische Blumen in die Kruge.
Ach neige,
Du Schmerzenreiche,
Dein Antlitz gnadig meiner Not!
Das Schwert im Herzen,
Mit tausend Schmerzen
Blickst auf zu deines Sohnes Tod.
Zum Vater blickst du,
Und Seufzer schickst du
Hinauf um sein' und deine Not.
Wer fuhlet,
Wie wuhlet
Der Schmerz mir im Gebein?
Was mein armes Herz hier banget,
Was es zittert, was verlanget,
Weisst nur du, nur du allein!
Wohin ich immer gehe
Wie weh, wie weh, wie wehe
Wird mir im Busen hier!