Da werden
Winternachte
hold und schon
Ein selig Leben warmet alle Glieder,
Und ach!
Ein selig Leben warmet alle Glieder,
Und ach!
Goethe - Faust- Der Tragödie erster Teil
Was man nicht weiss, das eben brauchte man,
Und was man weiss, kann man nicht brauchen.
Doch lass uns dieser Stunde schones Gut
Durch solchen Trubsinn nicht verkummern!
Betrachte, wie in Abendsonne-Glut
Die grunumgebnen Hutten schimmern.
Sie ruckt und weicht, der Tag ist uberlebt,
Dort eilt sie hin und fordert neues Leben.
O dass kein Flugel mich vom Boden hebt
Ihr nach und immer nach zu streben!
Ich sah im ewigen Abendstrahl
Die stille Welt zu meinen Fussen,
Entzundet alle Hohn beruhigt jedes Tal,
Den Silberbach in goldne Strome fliessen.
Nicht hemmte dann den gottergleichen Lauf
Der wilde Berg mit allen seinen Schluchten;
Schon tut das Meer sich mit erwarmten Buchten
Vor den erstaunten Augen auf.
Doch scheint die Gottin endlich wegzusinken;
Allein der neue Trieb erwacht,
Ich eile fort, ihr ew'ges Licht zu trinken,
Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht,
Den Himmel uber mir und unter mir die Wellen.
Ein schoner Traum, indessen sie entweicht.
Ach! zu des Geistes Flugeln wird so leicht
Kein korperlicher Flugel sich gesellen.
Doch ist es jedem eingeboren
Dass sein Gefuhl hinauf und vorwarts dringt,
Wenn uber uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt;
Wenn uber schroffen Fichtenhohen
Der Adler ausgebreitet schwebt,
Und uber Flachen, uber Seen
Der Kranich nach der Heimat strebt.
WAGNER:
Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,
Doch solchen Trieb hab ich noch nie empfunden.
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt;
Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.
Wie anders tragen uns die Geistesfreuden
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
Da werden Winternachte hold und schon
Ein selig Leben warmet alle Glieder,
Und ach! entrollst du gar ein wurdig Pergamen,
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.
FAUST:
Du bist dir nur des einen Triebs bewusst,
O lerne nie den andern kennen!
Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
Die eine will sich von der andern trennen;
Die eine halt, in derber Liebeslust,
Sich an die Welt mit klammernden Organen;
Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
Zu den Gefilden hoher Ahnen.
O gibt es Geister in der Luft,
Die zwischen Erd und Himmel herrschend weben
So steiget nieder aus dem goldnen Duft
Und fuhrt mich weg zu neuem, buntem Leben!
Ja, ware nur ein Zaubermantel mein,
Und trug er mich in fremde Lander!
Mir sollt er um die kostlichsten Gewander,
Nicht feil um einen Konigsmantel sein.
WAGNER:
Berufe nicht die wohlbekannte Schar,
Die stromend sich im Dunstkreis uberbreitet,
Dem Menschen tausendfaltige Gefahr,
Von allen Enden her, bereitet.
Von Norden dringt der scharfe Geisterzahn
Auf dich herbei, mit pfeilgespitzten Zungen;
Von Morgen ziehn, vertrocknend, sie heran,
Und nahren sich von deinen Lungen;
Wenn sie der Mittag aus der Wuste schickt,
Die Glut auf Glut um deinen Scheitel haufen
So bringt der West den Schwarm, der erst erquickt,
Um dich und Feld und Aue zu ersaufen.
Sie horen gern, zum Schaden froh gewandt,
Gehorchen gern, weil sie uns gern betrugen;
Sie stellen wie vom Himmel sich gesandt,
Und lispeln englisch, wenn sie lugen.
Doch gehen wir! Ergraut ist schon die Welt,
Die Luft gekuhlt, der Nebel fallt!
Am Abend schatzt man erst das Haus. -
Was stehst du so und blickst erstaunt hinaus?
Was kann dich in der Dammrung so ergreifen?